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Privates Fachklinikum für interdisziplinäre Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin
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Zwangserkrankungen

von: Marketingabteilung | Datum: 22. April 2020

Wenn die Herdplatte zur Plage wird, dann ist dies ein Indiz für eine Zwangsstörung. Diese sind verbreiteter, als gedacht.

Zwangsstörungen – durch Hollywood- Filme wie „Besser geht’s nicht“ oder „Aviator“ ist dieser Begriff schon lange von der Couch des Psychiaters auf die Fernsehcouch unserer Wohnzimmer umgezogen. Betroffene können durch ihre Störung im wahrsten Sinne des Wortes „gezwungen“ sein, bis zu hundert Mal am Tag Herdplatten, Türschlösser, Gashähne oder Aschenbecher zu kontrollieren. Manche verbringen Stunden damit, Gegenstände wie Bücher, Kleidung oder Nahrungsmittel nach genauen Regeln präzise anzuordnen. Andere können an bestimmten Gegenständen wie z. B. Straßenlaternen nicht vorbeigehen, ohne sie anzufassen, wieder andere können bestimmte Gegenstände wie Türklinken niemals anfassen, und wenn, dann nur mit Gummihandschuhen. Diese Handlungen zu unterlassen, bedeutet für einen Betroffenen, unerträgliche Angstzustände aushalten zu müssen. Denn die Definition eines Zwangs ist – im Gegensatz zu beispielsweise wahnhaftem Verhalten – dass der Betroffene die Zwänge selbst als unsinnig und unangenehm erlebt, ihnen aber nicht widerstehen kann. Das macht diesen Zustand umso qualvoller.

Was tun, wenn ich selbst betroffen bin?
Wer zu den 3,8 % der Deutschen gehört, die an einer Zwangserkrankung leiden, muss nicht daran verzweifeln: Bundesweit gibt es ca. 17.000 Praxen von Psychotherapeuten und ca. 2.600 psychiatrische Kliniken. Diese sind verbreiteter, als gedacht. Im Wandel der Zeit sind psychische Krankheiten von einem Dasein hinter geschlossenen Türen längst schon in die Welt der Hochglanzmagazine vorgedrungen. Hollywood-Ikonen wie Charlize Theron thematisieren öffentlich ihre Zwangsstörung, David Beckham erzählt in Interviews, dass er es nicht aushält, wenn Gegenstände in ungerader Anzahl vorliegen. Was einst ein tabuisierter Makel war, ist heute im Auge der Öffentlichkeit zu einem Feature geworden, das der Popularität Menschlichkeit hinzufügt. Auch im Bekanntenkreis wird mittlerweile nicht nur mit Selfies vom Infinity-Pool des letzten Bali-Urlaubs geprahlt oder mit glänzenden Augen von Outdoor-Abenteuern der letzten Backpack-Reise in Neuseeland erzählt. Längst haben der Speiseplan der letzten Privatklinik, die intensiven Erfahrungen mit den Therapiegruppenmitgliedern oder die Frisur des attraktiven Therapeuten bisweilen die ehemals üblichen Gesprächsthemen abgelöst. Offensichtlich ist festzustellen, dass es nicht mehr mit den gleichen gesellschaftlichen Vorurteilen wie vor 20 Jahren behaftet ist, sich Hilfe zu holen. Bleibt die Frage: Wie sieht die Hilfe aus, die ich mir holen kann?

Was aber wirkt nun gegen Zwänge?
Escitalopram, Sertralin, Paroxetin oder Fluoxetin: Diese sogenannten Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) sind im eigentlichen Sinne Antidepressiva, entfalten aber durch ihren Einfluss auf hirneigene Botenstoffe auch eine Wirkung gegen Zwänge. Noch immer sind starke Vorurteile gegenüber Psychopharmaka in unserer Gesellschaft verankert. Ängste vor Nebenwirkungen oder vor Abhängigkeit werden durch das ohnehin schon verbreitete Misstrauen gegenüber der Pharmaindustrie noch geschürt. Dabei gelten vor allem SSRI der zweiten Generation als besonders nebenwirkungsarm und werden daher nicht ohne Grund zu den sogenannten „Clean Drugs“ gezählt. Ebenso ist bei diesen die Abhängigkeitsgefahr reiner Mythos; SSRI greifen in das serotonerge System des Hirnstoffwechsels ein, haben dadurch keinen Einfluss auf das Belohnungszentrum des Gehirns. Letzteres ist für eine Suchtentwicklung unabdingbar. Deshalb machen Antidepressiva nicht abhängig, weder körperlich noch psychisch.

Multimodales Vorgehen
Auch das Argument, dass man mit Tabletten die eigene Persönlichkeit auf unnatürliche Weise verändere, ist nicht mehr zeitgemäß. Ein Mensch, der sich ein Bein bricht, verzichtet auch nicht auf den Gips, weil dieser nicht natürlicherweise im Körper vorkommt. SSRI haben dem Gips aber voraus, dass sie dem Körper keinen Botenstoff hinzufügen, sondern so wirken, dass sie die hirneigenen Botenstoffe wieder aktivieren. Wer dennoch skeptisch bleibt und eine medikamentöse Behandlung lieber vermeiden möchte, hat trotzdem weitere mögliche Therapieoptionen. Im Sigma-Zentrum Bad Säckingen, einer Privatklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin, wird einem multimodalen, interdisziplinären Ansatz Rechnung getragen. Neben der oben genannten Kombination aus Psychotherapie und medikamentöser Behandlung bietet die Klinik eine Bandbreite an kreativen und körperorientierten Therapieverfahren an. Die dort vertretene Grundhaltung, dass nicht die Krankheit, sondern der Mensch im Mittelpunkt steht, kann ein wichtiges Fundament zur Reaktivierung eigener Ressourcen des Betroffenen bedeuten. Letzten Endes ist jedes therapeutische Bestreben darauf ausgerichtet, dass Menschen ihren eigenen Weg wiederfinden, den sie mit ihren eigenen Füßen gehen. Auf die Bewältigung einer Zwangsstörung übertragen, bedeutet dies die Rückeroberung eines wichtigen Stücks eigener Freiheit. Um es mit Jean-Jacques Rousseaus Worten abzuschließen: Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will.

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