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Privates Fachklinikum für interdisziplinäre Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin
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Das Lernen und das ‚Heute‘ stehen im Mittelpunkt

Ist Ihnen eine dieser Empfindungen vertraut?

  • Freudlosigkeit, sich zurückziehen vom Geschehen, der Austausch mit Anderen fällt zunehmend schwerer? In solchen Fällen sprechen Fachleute von einer Depression;
  • Herzrasen, sobald Sie sich in einem Raum eingeschlossen fühlen und das Gefühl haben, ihn nicht jederzeit nach freiem Willen verlassen zu können? In diesem Fall sprechen Fachleute von einer Klaustrophobie.
  • Der gute Vorsatz zum Jahresende, wenn Sie sich zum wiederholten Male vornehmen, endlich das Rauchen aufzugeben oder eine andere Gewohnheit, die zur Sucht geworden ist?

Dies sind nur einige wenige Beispiele, im Rahmen derer eine kognitive Verhaltenstherapie angemessen sein kann, um dysfunktionale Bewältigungsmuster in funktionale umzuwandeln. Das Ziel der Verhaltenstherapie ist es, die positiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Sie in sich tragen, zu kräftigen, die Wahrnehmung Ihres Umfeldes in eine andere Richtung zu lenken und so neue Gestaltungsspielräume für Ihre soziale Interaktion zu schaffen.

In der Wissenschaft spricht man auch von dysfunktionalen Bewältigungsmustern, wenn Menschen sich aus einem vermeintlich verständnislosen Umfeld noch stärker in sich selbst zurückziehen, wenn sie versuchen, ihrer Ängste Herr zu werden, indem sie angstbesetzte Situationen meiden oder wenn sie im Fall der Sucht mithilfe des suchtauslösenden Mittels der Gegenwart zu entfliehen suchen.  Die Verhaltenstherapie als klinisch-psychologischer Heilansatz arbeitet mit einer Vielzahl spezifischer Techniken und   Behandlungsmaßnahmen.

Die Bewältigung der aktuellen Situation, des ‚Heute‘ steht im Mittelpunkt der kognitiven Verhaltenstherapie und ist kennzeichnend für den Gegensatz der Verhaltenstherapie zur Psychoanalyse, mit dem tiefen Ausloten der Vergangenheit und des „Ichs“.  Verhaltenstherapie setzt auf Lernen und das Trainieren anderer Verhaltensweisen. Ziel ist, dass der Patient sein Selbstbewusstsein wieder gewinnt, ein Empfinden für die Wirksamkeit seines Handelns neu entdeckt – Anderen und sich selbst gegenüber. Er lernt ein Selbstmanagement, mithilfe dessen er sich der Situation stellen und diese auch erfolgreich bewältigen kann.

  • Bei Phobien etwa gibt es die schrittweise Steigerung durch systematische Desensibilisierung. Therapeut und Patient spielen gedanklich und auf Handlungsebene bedrohliche Situationen durch  – so lange, bis der Patient auch die vermeintlich schlimmste Situation ertragen kann.
  • Beim depressiven Patienten sind die Unfähigkeit, Lob anzunehmen (da er sich selbst des Lobes nicht für wert befindet) und Forderungen zu stellen, oft besonders ausgeprägt: Durch ein verhaltenstherapeutisches Training können sich hier Sichtweisen ändern. Der depressive Mensch lernt, Ansprüche (nicht Klagen!) zu formulieren und gewinnt die Freude am Leben zurück.
  • Im Fall der Sucht gilt es zuerst, Automatismen zu durchschauen, „in welcher Situation mache ich immer wieder dasselbe?“ Im zweiten Schritt greift das Verfahren der positiven Konditionierung: „Ich werde wieder drei Stockwerke laufen können, ohne schon am ersten Treppenabsatz zusammenzubrechen“ und im dritten Schritt gilt es Situationen gedanklich vorwegzunehmen, in denen die Versuchung wieder allzu stark werden könnte – und sich dafür Alternativlösungen aufzustellen: „Wenn ich Angst vor etwas habe, habe ich bisher sofort  zur Flasche gegriffen, in Zukunft mache ich einen kurzen Spaziergang, um den Kopf auszulüften“.

 

Verhaltenstherapeutische Techniken und Behandlungsmaßnahmen:

Die therapeutische Intervention und damit die Bearbeitung bisherigen Verhaltens sowie das Training neuen Verhaltens setzen an den sog. Problembedingungen an; wir möchten Ihnen dies an einigen Beispielen aus dem Alltagsleben verdeutlichen:

  • Prädisponierende Problembedingungen: Sie umfassen prägende Erfahrungen aus Ihrem bisherigen Leben, die Sie für diejenigen Probleme, die Sie heute Hilfe suchen lassen, anfällig gemacht haben. So kann es z.B. sein, dass in Ihrer Herkunftsfamilie Konflikte nicht konstruktiv gelöst wurden, sondern mit Rückzug reagiert wurde. Dann kann es beispielsweise passieren, dass Sie auch heute diesen Weg beschreiten, indem Sie sich bei Streit mit Ihrem Partner innerlich zurückziehen oder in den Alkohol flüchten. Oder Sie haben aufgrund wechselnder Bezugspersonen in Ihrer Kindheit weniger Urvertrauen als andere Menschen entwickelt und neigen daher heute stärker dazu, auf unvertraute Situationen mit Anspannung zu reagieren. Durch die Therapie werden diese Zusammenhänge verstehbar, neue Strategien können daraufhin eingeübt werden.
  • Auslösende Problembedingungen: Dies ist die konkrete Situation, in der das psychopathologische Verhalten einsetzt: Sie fühlen sich vom Partner missverstanden und werden Ihrerseits verletzend; Ihr Chef bittet Sie zum Gespräch, Sie bekommen einen „Blackout“. Durch die stationäre Behandlung verändern sich die auslösenden Problembedingungen allein durch den veränderten Rahmen, was meist zu einer ersten Entlastung führt. In einem zweiten Schritt kann dann ein alternativer Umgang mit den auslösenden Bedingungen vermittelt und im Rahmen von Wochenendbeurlaubungen oder ggfs. auch einer tagesklinischen Anschlussbehandlung im Alltag verankert werden.
  • Aufrechterhaltende Problembedingungen: Sie führen dazu, dass Sie Verhaltensweisen, obwohl Sie sie längst als problematisch erkannt haben, scheinbar immer wieder ausführen „müssen“: So mag der Gang über die Treppe zwar beschwerlich sein, verhindert aber unter Umständen auch, dass Sie von Panikgefühlen im Fahrstuhl überwältigt werden; der Gang in die Kneipe ist zwar ungesund, schützt Sie aber womöglich auch kurzfristig vor dem Streit mit dem Partner; auch der persönliche Perfektionismus, mit dem Sie vielleicht Ihre täglichen Pflichten erfüllen, kann eine (unbewusste) Strategie sein, mit der Sie sich vor Ablehnung zu schützen versuchen. Diese Automatismen bewusst zu machen und zielführend zu verändern, ist wesentlicher Bestandsteil verhaltenstherapeutischer Übungen, die individuell entwickelt und professionell begleitet werden.

Sie sehen, dass sich in den beispielhaften Situationen bestimmte Muster des Verhaltens abzeichnen. Wir nennen das Schemata. In der Therapie arbeiten wir daran, solche Schemata in Ihrem Verhalten zu erkennen und neues Verhalten zu trainieren. Dies kann im Gespräch geschehen, im gemeinsamen Betrachten und Analysieren der problematischen  Situationen mit Ihrem Therapeuten und dann in  konkreten Verhaltensübungen. Dabei werden wir von den fachtherapeutischen Angeboten unterstützt. Gegebenenfalls nutzen wir auch Elemente der Ergotherapie.

 

Verhaltenstherapie und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie:

Verhaltenstherapie entspringt einem ‚melting pot‘ wissenschaftlicher Ansätze: den einen, einzigen, charismatischen Gründer, wie etwa den Vater der Psychoanalyse Sigmund Freud, gibt es hier nicht. Die wissenschaftlichen Ursprünge gehen auf drei Forschergruppen in drei Kontinenten zurück, die Mitte des vorigen Jahrhunderts fast zeitgleich diese Begrifflichkeit definierten. Jeder mit einem anderen Schwerpunkt:

    • In Südafrika entwickelte der südafrikanisch-US-amerikanische Psychiater Josef Wolpe (1915 – 1997) das systematische Desensibilisierungsverfahren zum Abbau von Phobien;
    • in London entwickelte der Psychologe Hans Jürgen Eysenck (1916 – 1997) den Fokus auf die vier Dimensionen Introversion – Extraversion sowie Stabilität – Labilität, die aus seiner Sicht die Grundkomponenten von Persönlichkeit  in der Interaktion mit dem Umfeld sind;
    • in den USA lenkte Burrhus Frederic Skinner (1904 – 1990) die Aufmerksamkeit auf Konditionierungsprozesse: Welchen Einfluss haben positive Verstärker wie Lob, Belohnung, Lernerfolge auf unser Verhalten?

Im verhaltenstherapeutischen Ansatz ist die Perspektive genau entgegengesetzt zur Psychoanalyse:  In der Verhaltenstherapie geht es nicht um die tief im Menschen schlummernden Empfindungen, Deutungen, Annahmen, die das Verhalten bestimmen; hier geht es darum, wie ein sukzessive geändertes Verhalten diese Empfindungen, Deutungen und Annahmen verändern kann.

 

Selbstmanagement im Wandel der wissenschaftlichen Deutung

Begriffe wie Selbstregulation, Selbstführung, Selbstmanagement kennzeichnen das Bestreben des Menschen, sein inneres Gleichgewicht wiederzuerlangen.

  • Die erste Generation des Selbstmanagements ist gekennzeichnet durch die Regulierung des Außen, durch das Einteilen von Arbeitszeit sowie das Setzen von Prioritäten.
  • Die zweite Generation richtet ihr Augenmerk nach innen, auf Werte und persönliche Ziele in diesem Leben. „Die Menschen wollen für einen Zweck arbeiten, nicht einfach nur für ihren Lebensunterhalt“ (Mihaly Csikszentmihalyi).

    Die dritte Generation spannt den Bogen, begutachtet Situationen und das Erfordernis des sich Verhaltens zu den Situationen auf Basis eines umfassenden Verständnisses des Selbst und den hieraus resultierenden Gewichtungen in der Anwendung von Strategien.