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Privates Fachklinikum für interdisziplinäre Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin
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Wenn Erinnerungen zur Qual werden

Möglicherweise haben Sie in Ihrer Vergangenheit ein sehr verstörendes Erlebnis gehabt, welches sich in Ihrer Erinnerung und in Ihrem Empfinden verankert hat – und welches Ihr Erleben der Gegenwart immer wieder beherrscht. Dann leiden Sie unter einer Traumafolgestörung. Durch die seelische Belastung können auch körperliche Erkrankungen auftreten. Immer stärker beobachten wir im Verlauf Psyche-Soma-Psyche auch eine etwas variierte Ursachenkette: Lebensbedrohliche Erkrankungen wie etwa Krebs oder Herzinfarkt und die hiermit verbundenen, medizinischen Eingriffe können seelische Traumen verursachen.

Eine telefonische Traumasprechstunde bietet die Psychotraumatologin Frau Dr. med. Geisler jeden Donnerstag von 16:30 Uhr bis 18:00 Uhr an. Ihre Fragen können Sie gerne auch per E-Mail senden.

Traumata, Schicksalsschläge, Unfälle oder schlimme belastende Erlebnisse sind wissenschaftlich nachgewiesen als sehr häufige Auslöser und Ursachen für zahlreiche körperliche Störungen, Schmerzgeschehen und andere Krankheiten, für die eine körperliche Ursache nicht gefunden werden kann. Durch psychische Traumen bedingte Veränderungen im Gehirn lassen sich heute durch bildgebende (wie etwa das funktionelle Magnet-Resonanzverfahren fMRT) und andere diagnostische Verfahren im Rahmen wissenschaftlicher Arbeiten nachweisen. Gehirnstruktur und Gehirnstoffwechsel sind verändert, mit entsprechenden Veränderungen des vegetativen Nervensystems und der Stressverarbeitung. In unserer Klinik findet das gesamte Spektrum seelischer Traumatisierung Berücksichtigung. Die Trauma-therapeutische Intervention arbeitet mit multiplen Verfahren. Das Spektrum psychischer Störungen nach einer Traumatisierung umfasst die gesamte Psychopathologie (Angst, Depression, Sucht, Zwang, körperliche Symptome, etc.).

 

Grundlegend wird zwischen Typ-I und Typ-II-Traumen unterschieden:

Typ-I-Trauma ist ein belastendes einmaliges Ereignis, z.B. ein Verkehrsunfall. Folge ist eine eher kurzandauernde Störung des seelischen Gleichgewichts, wie die Anpassungsstörung oder Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Sie werden die Erinnerung an den Unfall nicht los und haben z.B. Angst vor dem Autofahren.  Es gehören aber auch körperliche Symptome (Schwitzen, Herzrasen, Schlafstörungen etc.) zu diesem Krankheitsbild.

Das sich wiederholende Trauma (Typ-II-Trauma) kann zu komplexen Zustandsbildern aus dem gesamten Feld der Neurosen, der fehlgeleiteten Emotionen (affektive Störung) bis hin zu Angststörungen und Phobien sowie Persönlichkeitsstörungen oder Persönlichkeitsveränderungen durch Sucht z.B. psychotrope Drogen führen. Vermehrt beobachten wir eine Traumatisierung vom Typ-II nach lebensbedrohlichen Erkrankungen wie Krebs und Herzinfarkt oder als Folge chronischer Erkrankungen. Die hiermit verbundenen, intensiv- bzw. kontinuierlichen, medizinischen Behandlungen bewirken ein zusätzliches Hilflosigkeitserleben.

Unter die Folgen von Typ-II-Traumen fallen auch die Spätfolgen erlittener Gewalt in der Kindheit und im Erwachsenenleben. Wobei Gewalt auch seelisch ausgeübt werden kann: Kälte, unerbittliche Strenge oder auch Gleichgültigkeit können besonders in der Kindheit seelische Wunden und immer wieder aufreißende Narben hinterlassen. Typ II-Traumen können komplexe Beschwerdebildern nach sich ziehen, etwa eine Borderline-Störung mit zusätzlichen Erkrankungen (Komorbität).

 

Das Trauma-therapeutische Angebot im Σ Sigma-Zentrum

Wir arbeiten auf Basis des Drei-Phasen-Modells. Diese beziehen sich auf

  • die Stabilisierung des Patienten
  • die Konfrontation mit verstörenden und bislang gemiedenen Reizsituationen
  • die Integration der traumatischen Erlebnisse in das Fühlen und Handeln des Patienten und in die Biographie, soweit dies Trauerarbeit und soziale Reintegration ermöglichen.

Nicht unbedingt ist jede Phase in jedem Behandlungsprozess enthalten. Die Stabilisierung ist Grundlage aller weiteren Behandlungsschritte. Die spezifischen Trauma-therapeutischen Interventionen können in anderen Therapieverfahren wie Verhaltenstherapie, systemische Therapie oder tiefenpsychologisch fundierte Therapien integriert werden.

 

1. Die Phase der Stabilisierung

Wir nehmen uns zunächst Zeit Sie kennenzulernen, und wollen eine vertrauensvolle Beziehung zu Ihnen aufbauen als Grundlage einer erfolgreichen Traumatherapie. Wir streben eine sogenannte „schonende Traumatherapie“ an und achten darauf Sie nicht zu überfordern.

Die Stabilisierungsgruppe schafft die Grundlage des gemeinsamen Verständnisses Ihres Krankheitsbildes. Sie bekommen hier im Rahmen des Möglichen einen objektiven Blick auf Ihre Empfindungen vermittelt. Angst- und Depressionsschübe oder die Abspaltung Ihres Empfindens von sich selbst und Ihrem Umfeld (Dissoziation) sind Antworten der Psyche auf verstörende Erlebnisse. Ständige Alarmstimmung und ein permanentes Gefühl der Gefahr sowie Reizbarkeit mit allen körperlichen Begleiterscheinungen sind vollkommen normale Reaktionen auf ein Erlebnis, das den Bereich des Normalen bei weitem überschreitet.

In der Stabilisierungsphase erarbeiten wir mit Ihnen einen Krisenplan („Notfallkoffer“) und vermitteln Ihnen Techniken zur Selbstberuhigung z.B. in Gestalt von Meditation (Achtsamkeitsmeditation) oder durch Entspannungsverfahren wie die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson oder Imaginationen und Sie erlernen Techniken der Ressourcenaktivierung (Verbesserung der Selbstheilungskräfte).

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2. Die Phase der Konfrontation

Die Verhaltenstherapie für die Phase der Konfrontation ist speziell für die Behandlung von Phobien und Ängsten konzipiert. Hier greifen wir vorrangig auf Techniken der kognitiven Verhaltenstherapie, speziell der systematischen Desensibilisierung zurück. Das Ziel besteht in einer Neubewertung der traumatisierenden Situation Es kommen ebenso spezielle traumatherapeutische Verfahren zur Anwendung.
Dabei nutzen wir auch spezielle traumatherapeutische Verfahren, wie zum Beispiel Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR), Imagery Rescripting & Reprocessing Therapy (IRRT), Psychodynamisch Imaginative Trauma-Therapie (PITT)

Die im Σ Sigma-Zentrum eingesetzten speziellen traumatherapeutischen Verfahren dienen einer auf die Bedürfnisse eines jeden Patienten möglichst individuell ausgerichteten Behandlung:

  • Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) ist von der US-amerikanischen Psychologin Francine Shapiro (* 1948) entwickelt worden. Die wörtliche Übersetzung würde bedeuten: ‚Augenbewegung, Desensibilisierung und Wiederaufarbeitung‘.  Die Methode ist keine Hypnose. Während Sie eine besonders belastende Phase Ihres traumatischen Erlebnisses gedanklich fokussieren, hält Ihr Therapeut Sie mit langsamen Fingerbewegungen zu  rhythmischen Augenbewegungen an und damit bleiben Sie in der sicheren Gegenwart. Dieses Geschehen stimuliert Verarbeitungsprozesse im Gehirn. Ziel ist es, die Ängste, die Ihre Erinnerungen in Ihnen wachrufen, zu mindern oder gänzlich abzustreifen. In über 20  kontrollierten Studien konnte die anhaltende Wirksamkeit von EMDR nachgewiesen werden. EMDR ist ein in den Leitlinien bevorzugt empfohlenes Verfahren.
  • Imagery Rescripting & Reprocessing Therapy (IRRT) ist vom US-amerikanischen, Klinischen Psychologen Mervin Smucker (*1949) entwickelt worden. Gemeinsam mit Ihrem Therapeuten holen Sie das traumatisierende Erlebnis ins Gedächtnis zurück, so als würde es heute, in diesem Moment geschehen. Dann stellen Sie sich vor, wie Sie als der Mensch, der Sie heute sind, mit dieser Situation umgehen und sie jetzt bewältigen würden. Sie erleben sich nicht mehr als hilfloses Opfer, sondern als Gestalter der Situation, der auch in schwierigsten Situationen handlungsfähig bleibt und die Kontrolle behält. Es ist ein wenig, als würden Sie eine alte Schrift ausradieren und neu überschreiben.
  • Die Psychodynamisch Imaginative Trauma-Therapie (PITT) ist von der Psychoanalytikerin Luise Reddemann (*1943) entwickelt worden. PITT fußt auf der Vorstellung, dass Menschen trotz entsetzlicher Erlebnisse viel mehr sind als dieses Erlebnis, dass sie über selbstregulative Kräfte verfügen, mithilfe derer sie das verstörende Geschehen verarbeiten können. Der Aufbau einer tragenden therapeutischen Beziehung ist für dieses Selbst-Verständnis von großer Bedeutung: Es ist die Hilfe zur Selbsthilfe. Zentral im therapeutischen Ansatz von PITT ist die „innere Bühne“, auf der Sie nun agieren.
  • Sie begegnen in diesem gedanklichen „ imaginierten“  Spiel, mit Unterstützung Ihres Therapeuten, früheren Ich-Anteilen. Das Verständnis einer Vielzahl von Ichs in Ihrem Selbst entstammt einer jahrtausendealten wissenschaftlich-philosophischen Tradition durch alle Kulturen und  ist tief im systemischen Therapieansatz  verankert. Im Rahmen von PITT er- und durchleben Sie aus sicherer Distanz noch einmal das Unrecht, dass Ihnen zugefügt wurde, in dem Sie sich als hilflos erlebten. Und Sie lernen nun, diesen Teil Ihres Selbst, Ihrer Persönlichkeit, anzunehmen, zu trösten und zu beruhigen. Sie lernen, Ihre seelischen Wunden selbst zu heilen. Und gewinnen Ihr Selbst-Vertrauen zurück.
  • Symbolarbeit: Die Arbeit mit Symbolen wurde in den 70gern des vorigen Jahrhunderts von der psychologischen Psychotherapeutin Maria-Elisabeth  Wollschläger und dem Theologen Gerhard Wollschläger entwickelt. Wenn Sie einen Gegenstand, sei es ein Stuhl, eine Stoffpuppe oder etwas ganz anderes, mit einem bestimmten Gefühl verknüpfen, dann ist dieser Gegenstand zum Symbol Ihres Empfindens geworden. Symbolarbeit wird dort eingesetzt, wo das traumatisierende Geschehen Ihnen im Sinne des Wortes die Sprache verschlagen hat; Sie finden keine Worte für Ihre seelische Verletzung, für das, was mit Ihnen geschehen ist, Ihre Wut, Ihre Trauer oder Ihre Hilflosigkeit. Indem Sie Ihre Empfindungen auf Gegenstände übertragen oder das Geschehene mit Gegenständen darstellen, aktivieren Sie die Gehirnareale, die für das seelische Verarbeiten zuständig sind. Zustände des Ausgeliefertseins etwa weichen einem Zustand des Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten. Sie gewinnen Ihre Handlungsfähigkeit zurück und Ihr Empfinden, dass Ihr Tun einen Sinn hat, dass es Sie weiterbringt (Selbstwirksamkeitsgefühl).

 

3. Die Phase der Integration

Das Ziel dieser Phase ist die schrittweise Einbindung Ihrer traumatischen Erlebnisse in das Bewusstsein Ihrer selbst. Diese Geschehnisse sind Bestandteil Ihres Lebens, sie haben Ihre weitere Entwicklung beeinflusst und indem Sie sich den Erinnerungen stellen, nehmen Sie ihnen die Absolutheit und die Herrschaft über Ihr Leben. Sie gewinnen die Kontrolle über Ihr Leben zurück, Trauerarbeit wird möglich und es wird Ihnen besser gelingen sich sozial wieder zu Integrieren…