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Privates Fachklinikum für interdisziplinäre Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin
Home » Gäste Forum für Patienten » Therapien » Natur- und Gartentherapie

Natur, Garten und Pflanzen als therapeutische Mittel 

Die Natur- und Gartentherapie ist seit 2010 neben den anderen Fachtherapieangeboten ein wichtiger Teil des ganzheitlichen Therapiekonzepts im Sigma-Zentrum. Die Einzeltherapien sowie die 6 Gruppen finden bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit statt. Die umliegende Natur mit See, Wiesen und Wäldern sowie der klinikeigene Therapiegarten bieten Raum für dieses Therapieangebot.

Der Therapiegarten ist ein auf Jahre hin angelegtes Projekt, das von Patienten für Patienten selbst angelegt, gestaltet und gepflegt wird, für die therapeutische Arbeit, zum Genießen und Genesen.

Für wen ist diese Therapieform geeignet?
Natur- und Gartentherapie wird heute in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt. Fachkliniken (stationäre sowie ambulante Einrichtungen) bieten diese Therapieform an für Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen, Suchtkrankheiten, neurologischen und geriatrischen Erkrankungen, zur Demenzbehandlung, Rehabilitation und Integration.

Wirkungsweise der Natur- und Gartentherapie
Viele Erfahrungen sind über die heilsame, gesundheitsfördernde Wirkung des Gartens und der Natur auf den Menschen bzw. Patienten gesammelt worden. Belastete, kranke Menschen erleben wieder einen Sinn und Zugehörigkeit, eigene Ressourcen können gestärkt und belebt werden.

Allen Formen der Natur- und Gartentherapie gemeinsam ist der gezielte und bewusste Einsatz von pflanzen-, garten-, bzw. naturbezogenen Aktivitäten für den therapeutischen Prozess. Mit diesem natürlichen Medium sollen kognitive, psychische, physische, intrapersonale und soziale Faktoren gefördert und die Gesundheit sowie die Lebensqualität gestärkt werden.

Der direkte Kontakt mit der Natur kann in der therapeutischen Arbeit gezielt eingesetzt werden. So sind zum Beispiel viele Patienten in ihren Gedanken und Problemen gefangen, schaffen es nicht, sich zu lösen und wieder Kontakt zu sich oder der Umwelt aufzunehmen. Draußen zu sein in der Natur, die Aufmerksamkeit auf die natürliche Umgebung und ihre Prozesse zu richten, kann Einfluss auf das Erleben des  Menschen, seine Empfindungen und Sichtweisen nehmen. Ein Lösen des Gedankenkarussells kann so direkt oder ganz nebenbei geschehen. Von daher ist es elementar wichtig, neben anderen Therapieformen, auch den Kontakt zur Natur wieder aufzunehmen und zu fördern, in manchem Falle sogar ganz neu zu erlernen.

Bei der gärtnerischen Arbeit werden Patienten in therapeutischen sowie persönlichen Prozessen individuell begleitet und unterstützt. So entsteht nicht nur ein sichtbares und begreifbares Ergebnis, welches den ganzen Menschen mit integriert.

Im Therapiegarten kann folgendes erfahren werden:

  • Verbesserung der Stimmungslage
  • Verminderung depressiver Verstimmung
  • Erleben von positiven Gefühlen
  • Förderung eigener Ressourcen, Fähigkeiten und Stärken
  • Förderung des Selbstvertrauens und Selbstwertes
  • Förderung sozialer Kompetenzen und kommunikativer Fähigkeiten

Was bedeutet Achtsamkeit in der Natur?
Die Achtsamkeitspraxis und entsprechende Übungen fließen in der Naturund Gartentherapie mit ein, sie ermöglichen einen achtsameren Umgang mit sich, der Natur, den Pflanzen und den sozialen Kontakten.

Achtsamkeitsübungen lassen sich gut in die Gartenarbeit und das Sein in der Natur integrieren. Es fällt dort  leicht, achtsam zu sein, Natur bietet viele Eindrücke und Reize, weckt die Sinne und ermöglicht dadurch ein gegenwärtiges Erleben von sich selbst und der (Um-)Welt, ohne ein genaues Ziel zu verfolgen. Was empfindet ein Patient im Körper, welche Gedanken und Gefühle tauchen auf? Wie ist oder verändert sich die Stimmung, wenn z.B. mit den Händen in der Erde gepflanzt oder Unkraut gejätet wird? Können die Gesänge der Vögel, der Wind und sonstige Geräusche gehört werden; riecht die Erde, wie ist ihre Temperatur und Konsistenz? Ist der  Fokus der Aufmerksamkeit auf einzelne dieser Wahrnehmungen gerichtet, ist der Patient im Wesentlichen mehr im Moment. Auftauchende Empfindungen, Gefühle und Gedanken können besser beobachtet oder umgewandelt und dadurch innere Spannung abgebaut werden. Das gibt mehr Raum für Sinneswahrnehmungen, die besonders im Lebensraum „Natur“ häufig als angenehm, ausgleichend, ja sogar heilsam erlebt werden.

Umfang der Natur- und Gartentherapie im Sigma-Zentrum
Sämtliche naturgestützte Therapien werden im Sigma-Zentrum sowohl im Einzelsetting als auch im Gruppensetting angeboten. Die jeweilige Auswahl trifft der behandelnde Psychologe in Abstimmung mit dem Patienten.

Neben den Einzeltherapien finden folgende Gruppenangebote wöchentlich statt:

  • 3 Gruppen „Natur und Garten“
  • 2 Gruppen „Achtsame Naturbegegnung am Morgen“
  • 1 „Offene Gartengruppe“

In den Gruppen spielt der soziale Aspekt eine wichtige Rolle. Ein langsames Annähern an die Mitmenschen kann über Pflanzen und einfache Kontaktaufnahme wieder geübt und gestärkt werden. Der Aufenthalt im Freien lässt genug Raum, um den Abstand zur Gemeinschaft selbst wählen zu können. So können soziale Bedürfnisse gelebt und geübt werden.

„Je mehr wir die Natur auf uns wirken lassen, umso achtsamer werden wir. Und je achtsamer wir uns in der Natur bewegen, umso differenzierter werden wir sie auch wahrnehmen.“ (Hupperts, 2015)

 

Anne Weth
Körpertherapeutin, Natur- und Gartentherapeutin
(Akademische Expertin für Gartentherapie, Wien)