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Privates Fachklinikum für interdisziplinäre Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin
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Alles nur Einbildung?

von: Marketingabteilung | Datum: 20. November 2018

Psychosomatische Erkrankungen werden gerne als Spinnerei abschätzig abgetan. Wir sprachen darüber mit Prof. Dr. Christoph Bielitz, Ärztlicher Direktor im Sigma-Zentrum Bad Säckingen.

Die Zahl der psychischen Erkrankungen in Deutschland ist aufgrund gesellschaftlicher und beruflicher Veränderungen seit Jahren angestiegen. Welche Rolle spielen dabei psychosomatische Erkrankungen?

Prof. Dr. Christoph Bielitz: „Man kann davon ausgehen, dass fast jeder Dritte einmal in seinem Leben an psychischen und/oder psychosomatischen Störungen erkrankt. Davon sind etwa 11 Prozent psychosomatische Störungen. Zur Behandlung setzt das Sigma-Zentrum Bad Säckingen auf ein multimodales und multiprofessionelles Therapiekonzept.“

Welches sind die häufigsten und in der Bevölkerung am meisten verbreiteten psychosomatischen Krankheitsbilder?

Prof. Dr. Christoph Bielitz: „Das sind die schmerzhaften Erkrankungen des Muskel-, Bindegewebs- und Skelettapparates, speziell der Wirbelsäule, häufig assoziiert mit sogenannten Verspannungen und Spannungskopfschmerzen. Die hiermit verbundenen, zum Teil großflächig auf den ganzen Rücken projizierten Schmerzen können im Zusammenhang mit psychischen Belastungen oder Erkrankungen dann zum Teil schwere Ausmaße annehmen.“

Mit welchem Therapiekonzept begegnet man diesen Erkrankungen?

Prof. Dr. Christoph Bielitz: „Psychische oder psychosoziale Faktoren sind in unterschiedlichem Ausmaß an der Auslösung oder Verschlimmerung solcher Erkrankungen bzw. ihrer Beschwerden beteiligt. Beim multimodal-multiprofessionellen Therapiekonzept ist es wichtig, neben einer guten Ausstattung im Bereich der Psychotherapie u. a. ein umfangreiches allgemeinmedizinisch-diagnostisches und körperlich-therapeutisches Angebot vorzuhalten. Im Sigma-Zentrum stehen u. a. erfahrene Allgemeinmediziner und Internisten zur Verfügung, die im Bedarfsfall z. B. mit den benachbarten Radiologen und dem benachbarten spezialisierten Schmerzzentrum intensiv zusammenarbeiten.“

Können Sie mehr zu diesem Therapiekonzept sagen?

Prof. Dr. Christoph Bielitz: „Das spezielle interdisziplinäre, multimodale Konzept des Sigma-Zentrums stellt für unsere Patientinnen und Patienten ein breit gefächertes therapeutisches Angebot sicher, etwa sowohl aus dem Bereich der Schmerztherapie wie der Schmerzpsychotherapie bis hin zur spezialisierten Körpertherapie, Bewegungstherapie und zum Biofeedback, das unbewusst ablaufende körperliche Vorgänge erlebbar und verstehbar macht. So können in diesen Fällen neben schulmedizinischen Verfahren auch komplementärmedizinische Ansätze verfolgt werden.“

Welche Rolle spielt dabei, dass sich Psyche und Körper gegenseitig in starkem Maße beeinflussen?

Prof. Dr. Christoph Bielitz: „Dieser Zusammenhang wird sehr schön sichtbar am Beispiel des Darms. Nach dem Gehirn findet sich im Darm die mit Abstand größte Anzahl von Nervenzellen im Körper. Interessanterweise verlaufen bis zu 90% der Nervenbahnen zwischen Verdauungstrakt und Gehirn nach »oben«, also zum Gehirn. Dort bestehen u. a. enge Verknüpfungen zum Limbischen System, welches zentral für die Verarbeitung von Emotionen verantwortlich ist, also über eine Schnittstelle, die unmittelbar mit den Darmnervenfasern interagieren kann. Gleichzeitig ist der Darm intensiv mit dem Hormonsystem verbunden, welches vom Gehirn gesteuert wird. Dazu kommt das Immunsystem, das ebenfalls insbesondere beim Darm eine große Rolle spielt.“

Was ist die Voraussetzung für eine effektive Diagnostik und Behandlung psychosomatisch bedingter Darmerkrankungen?

Prof. Dr. Christoph Bielitz: „Eine Verzahnung der somatischen mit der psychiatrisch- psychotherapeutisch-neurologischen Medizin und ein möglichst individuelles, ganzheitliches Behandlungskonzept. Dazu gehören falls erforderlich darmspezifische Medikamente, andererseits Psychotherapie und weitere, multimodale psychotherapeutisch wirksame Verfahren wie Entspannungstherapie, Kreativtherapie, Sport- und Bewegungstherapie u.a. Auch gezielt eingesetzte Psychopharmaka zeigen je nach Grunderkrankung oder Problematik eine gute Wirkung. Trotz des hohen Leidensdrucks fühlen sich Betroffene oft nicht ernst genommen. Um den Betroffenen gerecht werden zu können, ist es wichtig, dass neben körperlichen auch seelische Ursachen in Betracht gezogen werden und eine umfassende psychologische Begleitung erfolgt.“

Erschienen in OTC & Visite, Ausgabe November 2018

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