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Männer-Gruppe

Geschlechtsspezifische Psychotherapie im Sigma-Zentrum

Ich bin froh und stolz im Sigma-Zentrum eine psychotherapeutische Männer- Gruppe anbieten und leiten zu können. Dabei ist mir bewusst, dass es ungewöhnlich ist, einen Artikel mit „Ich“ zu beginnen. Nur möchte ich vermeiden, rechtfertigen zu müssen, warum es in der heutigen Zeit sinnvoll ist, eine solche Gruppe anzubieten. Es ist für mich als Mann sinnvoll und ich bin sogar stolz als Mann einen Schutzraum für die Unsicherheiten anbieten zu können. Zudem zeigt die Ich-Form an, dass es sich bei Fragen des Geschlechts um persönliche, sensible und manchmal sogar um delikate Gewissheiten und Unsicherheiten handelt.

Ablauf einer Männer-Gruppe
Zumeist leite ich die Gruppe mit einer persönlichen Zielsetzung und Feststellung ein, damit sich die Mitglieder orientieren können: „Es geht in dieser Gruppe darum, einen Raum zu schaffen und zu gestalten, der Männern oftmals wenig zur Verfügung steht. Das eigene Innenleben und Erleben als Mann zu erforschen wird uns selten von unseren Vätern beigebracht und auch in Freundschaften leben wir es selten aus.“ Damit markiere ich für mich ein erstes Mal, dass es mir in aller erster Linie noch nicht um Lösungen, sondern das Erleben geht. Auch ist es für mich wichtig, dass ich keine vorgefertigte Lösung für das Mann- Sein habe. Um genau zu sein zweifle ich stark daran, dass irgendjemand solche vorgefertigten Lösungen anbieten kann. Sie sind aus den eigenen Erfahrungen und Problemen erst zu gewinnen. Ohne Orientierung drohen wir aber zugleich im Ungewissen und der Unsicherheit verloren zu gehen oder uns frühzeitig an Gewissheiten zu klammern, die uns schaden. Die Männergruppe stellt ein Angebot dar, den Weg gemeinsam zu gehen, zwischen notwendiger Unsicherheit und Offenheit für Neues auf der einen Seite und erarbeiteten oder herangetragenen Lösungen auf der anderen Seite.

Zu Beginn der Gruppe: Fragen
All die Fragestellungen, die sich geschlechtsspezifisch für eine Psychotherapie ergeben, sind dabei so vielfältig, dass ich sie kaum bündeln kann. Dennoch möchte ich es versuchen,
um zumindest einen Eindruck zu geben. Jeder Mann macht die Erfahrung in der Vergangenheit als Junge, als Kind, als Sohn. Hier macht er erste prägende Erfahrungen mit sich, mit anderen Kindern, mit den Eltern, mit Zuneigung und Abneigung, mit Freundschaft, Verantwortung, Rivalität und Sexualität, die ihn auch als Erwachsenen noch begleiten. Als Erwachsener ergeben sich neue Herausforderungen und Enttäuschungen, die damit verbunden sind, für sich und eventuell die Partnerschaft und sogar ein oder mehrere Kinder die Verantwortung zu übernehmen. Privatleben und Beruf müssen vereinbart werden, ohne den sozialen Kontakt zu anderen Menschen zu verlieren. Im Alter ergeben sich wiederum neue Fragen, wenn die eigenen Kräfte nachlassen, die Rente winkt oder droht und möglicherweise die eigenen Kinder erwachsen sind und sich selbst mehr mit diesen Herausforderungen als mit den Eltern beschäftigen.

In der Mitte der Gruppe: Bewältigung
Im Beschreiben der Aspekte von geschlechtsspezifischer Psychotherapie fällt mir immer wieder auf, dass es sich um allgemeinmenschliche Entwicklungsaufgaben handelt. Also eigentlich etwas gar nichts so Besonderes. Gerade dieser Widerspruch macht mich immer wieder neugierig auf die Gruppe: Welche Lösungen haben die einzelnen Männer für diese allgemeinen Entwicklungsaufgaben gefunden? Was sind ihre Gemeinsamkeiten und was die Unterschiede? Dazu kommt jeden Montag, wenn die Gruppe zusammenkommt, die Spannung: Wieviel Unsicherheit und Intimität werden wir heute gemeinsam entwickeln und aushalten? Wie stark wird auch unser Bedürfnis sein, zu rivalisieren und uns zu beweisen? Manchmal mischt sich bei mir auch eine Sorge unter, ob es möglich sein wird, die Differenzen produktiv zu bewältigen, oder ob wir in Klischees oder gar unkonstruktiven und lähmenden Streit abgleiten? Ich mache dann aber eine für mich immer wieder wichtige Erfahrung: Die Männergruppe bietet einen sicheren Rahmen, der gemeinsam genutzt werden kann und einen unterstützenden, klärenden und wohlwollenden Zusammenhalt bietet.

Am Ende der Gruppe: Abschied
Es ist dann auch ein schönes und zufriedenstimmendes Erlebnis, wenn ich nach Gruppenende miterlebe, wie gemeinsam die Lichter ausgeschalten werden und zum Abendessen aufgebrochen wird. Auf meinem Nachhauseweg wirken dann die Erlebnisse der Gruppe noch nach und ich realisiere, dass die drängende, manchmal quälende Frage, was einen Mann auszeichnet, nicht mehr so drängend und quälend ist. Eine Antwort, stelle ich dann erstaunt fest, habe ich allerdings trotzdem nicht. Ich stelle dann fest, wie meine Gedanken neugierig abgleiten und ich mich frage, wie es wohl in der geschlechtsspezifischen Gruppe für Frauen oder der Bewegungs- und Tanzgruppe für Frauen so abläuft: Welche Fragen beschäftigen diese Gruppe, wie ist die Atmosphäre? Etwas enttäuscht stelle ich dann fest, dass ich das nie so genau herausfinden werde und konzentriere mich wieder darauf, dass ich stolz und froh bin, die Männer-Gruppe anbieten zu können, Teil von ihr zu sein und sie leiten zu dürfen.

Mag. phil. Benedikt Mayer
Psychologe

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